Donnerstag, 17. April 2014

Buchempfehlung: Alles aus Wildpflanzen


"Für neugierige Kräuterfeen..."
Schon lange möchte ich diese Rezension schreiben und heute bei einer guten Schale Tee in der Sonne habe ich wieder in diesem wunderschönen Buch gelesen- ich machte Fotos und jetzt könnt ihr meine Rezension lesen =)
Ich sehe dieses Buch übrigens als gelungene Ergänzung zum Buch der Lüders (und zu jedem anderen Pflanzenbuch), wer sich also fragt "Wieso denn noch ein Wildpflanzenbuch?", der sieht hoffentlich am Ende meiner Rezension klarer.

"Alles aus Wildpflanzen" von Coco Burckhardt
Für mich als Liebhaber der schönen Gestaltung wäre vermutlich schon das tolle Vorsatzpapier und die erste Seite ein Grund zum Kauf gewesen.
Gleich zu Anfang möchte ich ein wenig aus dem Klappentext zitieren (das Zitat ganz oben ist ebenfalls aus dem Klappentext):

  • Aus unseren Wildpflanzen lässt sich alles machen, was Sie brauchen: von der Vorspeise bis zum Dessert, vom Hustensaft zur Salbe, vom Kerzendocht zur Tinte... und schließlich kann auch ein pflanzlicher Wetteranzeiger oder Liebeszauber in gewissen Situationen hilfreich sein. (...)
  • Allerlei Nützliches und mehr aus über 100 Wildpflanzen
  • Ein Steckbrief zu jeder Pflanze
  • Viele Grundrezepte, Menüvorschläge und praktische Übersichten für einfaches Selbermachen
  • Und dazu: Lustvolle Jahreszeiten-Seiten für leidenschaftliche Sammler und Genießer
Ich gebe zu, bis heute habe ich den Klappentext gar nicht richtig gelesen, aber klingt das nicht mal verführerisch?
Nun aber zum Inhalt ;)

Nach dem zauberhaften Vorwort der Autorin ("Die Freundschaft zu "Flora" wird nie langweilig (...)") folgt erst einmal Basiswissen.
Wie wird geerntet und wann? Auch die Inhaltsstoffe der Pflanzen werden aufgeführt, bisher habe ich diese Informationen eher ungern gelesen, aber in diesem Buch macht es Spaß!
Es folgen Grundrezepte für die Küche: Hier gibt es simple Dinge wie Quark &Pesto, aber auch für Bratlinge und Suppe (nicht vegan, aber leicht zu veganisieren, vegetarisch ist das Buch meiner Meinung nach) gibt es Basisrezepte. Wurzelauflauf, Falsche Kapern, Kräuterbonbons und Blütenwackelpudding (Zubereitung mit Agar Agar) sind nur einige Rezepte ;)
Zu den Basisrezepten gehören natürlich auch Dinge wie Sirup, Marmelade und Smoothie.

Frau Burckhardt gibt sogar eine Vorschlagsliste für Wildkräutermenüs im Jahreslauf an!

Nach dem kulinarischen Teil geht es um Haus- und Heilmittel. Besonders interessant fand ich hier die Auflistung der Kardinalskräuter, für mich von unschätzbarem Wert (und ist die Gestaltung nicht traumhaft? *.*)
Ich liebe diese Illustrationen überall im Buch!
Für jeden Kräuterbegeisterten kommt jetzt vermutlich wenig neues, aber zu einem insgesamt runden Buch gehören nun mal auch Infos zur Teebereitung (Infus, Dekokt, Pflanzenmischungen) und ansetzen einer Tinktur und Ölauszug.
Was mein Interesse für das bereiten von Salben überhaupt erst geweckt hat befindet sich auch in diesem Buch. Neben dem Grundrezept zum Salbenkochen wird auch eine Möglichkeit beschrieben, Salben unter freiem Himmel zu kochen! Einfach, aber trotzdem muss man erst mal drauf kommen^^
Ebenso wird die Zubereitung von Balsam und Gel beschrieben aber auch Frischkrautauflagen, Kompressen und Umschläge finden Erwähnung. Und noch viele Anwendungen mehr ;)
Vom Jahreshustensirup habe ich ja schon berichtet.

Der Handwerkliche Teil beinhaltet das Färben (relativ ausführlich sogar) sowie Anwendungsgebiete im Haushalt (Kerzendocht, Reinigung, Insektenschutz...)
Der erste Teil des Buches, das Basiswissen, endet mit einem Kapitel über "Bräuche, Zauber, Zeiger".
Gerade für die Kräuterhexen unter uns ist das natürlich noch einmal sehr sehr spannend, zwar wird alles nur grob angerissen, aber das Interesse ist geweckt.
Toll ist der Teil über das Räuchern. Nicht nur wie ein Kräuterbuschen gebunden wird ist beschrieben, sondern auch, wie man ihn am Besten anbrennt =) Nicht unnötig wie ich finde.
Traditionelle Bräuche finden auch Erwähnung, teils christlich aber eigentlich eher allgemein- eine schöne Bereicherung ist das.

Nach dem Basiswissen folgen die Wildkräuter im Portrait. Aber bevor ich euch einen Einblick in diesen Teil gebe- fällt euch im Gegensatz zum Lüder-Buch etwas auf?
Alle allgemeinen Informationen stehen nacheinander gleich am Anfang, für Anfänger halte ich dies für am besten und auch mir gefällt es so sehr gut. Keine anfängliche Verwirrung wie bei den Lüders, wobei ich ja auch die Vorteile dieser Aufmachung beschrieben habe ;)
Nun aber weiter im Kontext:

Die Pflanzenporträts.
Im Gegensatz zum Lüder-Buch (jetzt vergleiche ich schon wieder...) ist die Aufmachung sehr schlicht aber stimmig und einladend.
Auf eine Illustration der Pflanze folgt ein kurzer, einführender Text mit interessanten Informationen zur Pflanze.
Die Aufteilung danach ist wie folgt:

  • Benutzung der verschiedenen Pflanzenteile und deren Erntezeitraum in der Küche
  • Haus- und Heilmittel
  • Handwerkliche Anwendungen
  • Bräuche, Zauber, Zeiger

Am Rand stehen immer noch weitere interessante Informationen, Rezepte oder Anwendungen.
Auch wenn es hier jetzt fast so aussieht: Nicht alle Pflanzen haben eine Doppelseite ;)
Übrigens gibt es in jedem Porträt einen schönen Steckbrief, wo auch die möglichen Verwechslungsgefahren aufgezählt werden, sowie noch einmal grob zusammengefasst die beste Erntezeit.

Nach den Wildkräuterporträts gibt es noch wunderbare Porträts zu Bäumen und Sträuchern, gerade die Informationen in diesem Teil waren für mich eine Fundgrube an neuem Wissen.
Wertvoll ist im Service-Teil die Tabelle, wo alle Pflanzen und ihre Verwendung aufgelistet sind.
Ganz besonders klasse finde ich die Kategorie "Wald- und Wiesenpflaster", so etwas liebe ich ja.
Jetzt hätte ich euch aber fast ein ganz besonders liebevolles Detail vorenthalten, von welchem schon im Klappentext die Rede ist: Die Jahreszeiten-Seiten!
Das sind liebevoll illustrierte und arrangierte Seiten den Jahrezeiten entsprechend. Hier seht ihr die "Frühlingsgenüsse"-Seite:
 "Dieser Frühling könnte der Beginn einer neuen Freundschaft werden..."
Das Sommerthema ist "Sommerliches Samensammeln", der Herbst als "Fest der Sinne" und schließlich der "Winter: Gesund bleiben und zur Ruhe kommen".
"Die Schatzkiste wird geöffnet"
Mit diesem Satz im Kopf schaue ich mir immer wieder gerne dieses Buch an, es ist auch eine Schatzkiste und zwar eine ziemlich interessante und abwechslungsreiche!
Dieses Buch mag ich wegen der schlichten Aufmachung, die so ganz natürlich wirkt fast noch lieber und häufiger an als das Lüder-Buch.
Dennoch kann ich nicht sagen, welches mir letztlich im Gesamten am besten gefällt, beide sind auf ihre Weise ein großer Wissensschatz!

Ein letzter Tipp noch von mir: Auch dieses Buch eignet sich nur sehr eingeschränkt zur Bestimmung, teilweise sind nämlich nur die Blüten abgebildet, oder wie hier beim Engelwurz nur die Samenstände.

Welche sind eure Buchschätze?
Herzliche Grüße,
Atessa


Kommentare:

  1. DAS wäre definitiv mein Schatz, wenn ich es denn besitzen würde ;)
    Meinen jetzigen Schatz habe ich neulich erst in einem Buchtauschregal gefunden. Ein Uraltbuch, "Frankreich von oben". Soooo tolle Bilder, und ich konnte einige Orte entdecken, die ich schon besucht habe! Habe es zusammen mit meiner Reisebegleitung angeschaut, und wir sind noch mal die Reise in Gedanken gefahren. Das war toll :)

    Beste Grüße,

    Kivi

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  2. Liebe Atessa,

    vielen Dank für die Rezension! Das Buch klingt wirklich spannend. Mein absoluter Schatz unter den Heilpflanzenbüchern ist "Heilpflanzenpraxis Heute" von Sigfried Bäumler. Auf der einen Seite ist es zwar wissenschaftlich korrekt, was die Verwendung und Wirkungsweise angeht, aber es steht auch so viel Hintegrundwissen über die kulturelle Bedeutung der meisten Pflanzen drin, dass das Schmöckern einfach eine Freude ist :-)

    Liebe Grüße,
    Mirjam

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