Dienstag, 23. Februar 2016

Ein Traum ist wahr geworden: Meine eigene Harfe

Über das Wochenende habe ich mit meinem Bruder meinen großen Traum verwirklicht: Wir haben meine Harfe gebaut! 

Seit Jahren wollte ich so gerne Harfe spielen, letztes Jahr hatte ich drei Monate Unterricht genommen und nach der ersten Stunde war klar: Ich will dieses Instrument lernen! Und als mein Bruder mir von den Harfenbaukursen der Klangwerkstatt  erzählte war klar: Wir bauen meine Harfe selbst.

Lange habe ich Verzierungen überlegt, Material gesammelt und mit meinem Bruder gesprochen und nun war es am vergangenen Wochenende in Bad Fallingbostel soweit und wir machten uns auf den Weg zu einem großartigen Wochenende!
Diese Teile bekamen wir, man könnte meinen, die Harfe ist ja schon fast fertig. Es musste aber doch noch so allerhand getan werden, Leisten anpassen, Löcher bohren, Säule und Hals einpassen...
Und natürlich wurden Schalllöcher entworfen, um die Saiten aufziehen zu können. Ich habe mich für Eichenblätter entschieden und dafür, die Rückseite Waldgrün zu beizen.
André sprach oft davon, dass es unsere ganz persönliche Seite der Harfe ist, die außer dem Spieler eigentlich keiner sieht. Und die sollen wir gerne ansehen. Bei mir gibt es also auf der Rückseite der Harfe diesen Überraschungseffekt :)
Die Rückseite mit den Schalllöchern musste nach der Bearbeitung auf den Korpus geleimt werden, für das Setzen der Leimzwingen hatten wir etwa zwei Minuten Zeit, da war Teamwork angesagt.
Irgendwann war dann die Zeit für die ersten weiteren Verzierungen gekommen. Mein Bruder beschnitzte und beizte den Sockel.
Und außerdem schnitzte er dieses wunderschöne Schwanenmotiv. Ich wollte unbedingt noch etwas haben, dass mit dem Ballett zu tun hat und dann fand ich dieses Motiv. Schließlich war ich im letzten Jahr einer der vier Schwäne =)
Nach dem Schnitzen und Einölen der Säule wurde eine Ölfarbe aufgetragen, die in den Vertiefungen zurückblieb, als man das restliche Öl von den erhöhten Flächen wischte.
Vorne habe ich auch noch einen Stein eingelassen, einen Malachit. Farblich ergänzt er die Rückwand perfekt, aber das war mir vorher nicht bewusst.
Die erste sitzende Saite– ein fast historischer Moment
Am letzten Tag ging es an das Zusammensetzen von Säule, Hals und Korpus. Und dann ans Saitenaufziehen, wovor die meisten von uns wirklich großen Respekt hatten. Im Endeffekt fand ich es doch nicht so schlimm, es hat lange gedauert (mit Pausen von etwa 11 bis 17 Uhr), aber irgendwann machte es fast Spaß, Knoten zu machen und die Saite zu spannen.

Und als André meine Harfe stimmte und das erste Lied auf ihr erklang, da war all die Anstrengung vergessen. Ein zauberhafter Augenblick.
Noch einmal ein Ausschnitt vom Abschlussfoto mit der Rückseite, leider ein wenig unscharf. Da stehen wir alle entspannt und glücklich zusammen, es war ein so toller Kurs!

Abends machten wir uns dann auf den gut zweistündigen Rückweg durch Regen und Wind Sturm. Zuhause angekommen habe ich die Harfe fast sofort aus ihrer Tasche befreit, wie angekündigt war sie total verstimmt, denn das Holz und die Saiten müssen sich erst einmal aneinander gewöhnen. Die nächsten Tage bin ich also noch mit regelmäßigem Stimmen beschäftigt.
Zu Hause habe ich heute die paar Augenblicke Sonnenlicht abgepasst, um noch einmal Detailfotos zu machen. Die Verzierung mit den Mondphasen habe ich nämlich noch gar nicht gezeigt. Ich hatte sie mir im Vorfeld von meinem Bruder anfertigen lassen, kleine gedrechselte Wunderwerke, die eine großartige Bereicherung für die Harfe sind.
Ich freue mich schon auf die ersten Bilder im Garten, im kompletten Sonnenschein.
Auch der obere Teil des Halses wurde verziert: Mein Bruder hat das Holz verschlungen-umwunden bearbeitet, eine außergewöhnliche Sache.
Auf diesem Bild kommt die Säulenzierde noch einmal gut zur Geltung. Das gesamte Holz wird noch stark nachdunkeln, darauf freue ich mich schon. Meine Harfe ist ein lebendiges Wesen, mit vielen Veränderungen im Laufe der Zeit.
Zum Abschluss noch einmal der Sockel. Ich bin jetzt fleißig am Üben und Stimmen, es klappt alles schon viel besser. Bald kann ich Andrés Wunsch nachgehen: 
Verschenkt so oft es geht Musik!

Ein ganz großes Dankeschön geht an meinen Bruder, der mir all meine Wünsche verwirklicht hat und mir ein traumhaftes Wochenende beschert hat. Es hat so viel Freude gemacht, konzentriert zu arbeiten, zusammen zu sitzen, zu feiern, zu entspannen. Gerne wieder:) Vielleicht baust du dir ja auch noch ein Instrument?

Herzlichst,
deine Schwester

Kommentare:

  1. Ganz großes WOOOOOOOOW! Was seid ihr für künstlerisch begabte Geschwister. Das sieht toll aus und alles in nur einem WE? Toll! Ich finde musikalische Menschen faszinierend. Ich habe leider nie ein Instrument gelernt.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das Wochenende hat bereits Donnerstag Abend gestartet, da haben wir noch bis halb 11 gearbeitet =D Es ist nie zu spät, ein Instrument zu lernen, gibt es eines, das die fasziniert? Eine Probestunde kann man eigentlich immer machen und es lohnt sich so sehr ;)

      Löschen
  2. Liebe Atessa !
    Da habt ihr etwas ganz Wundervolles geschaffen - aber das brauch ich Dir wohl nicht zu sagen ! Ich kenne mich mit Harfen überhaupt nicht aus, aber Deine ist auf jeden Fall einzigartig. Ich bewundere die vielen liebevoll geplanten und eingebauten Details wie den Stein und auch die Mondphasen. Und immer wenn Du sie spielst, wirst Du an die schöne Zeit mit Deinem Bruder denken - besser geht´s einfach nicht !!! Ich wünsche Dir noch viel Spaß mit Deinem wahr gewordenen Traum, da ist alles sehr stimmig !
    Alles Liebe
    Karen
    PS: Eine Brotdose aus Zirbenholz steht ganz oben auf meiner Wunschliste.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen Dank für deinen lieben Kommentar! Du hast recht, jedes Detail erinnert mich an das Wochenende, an die Situation, in der es entstanden ist. Das tut einfach gut =)

      Löschen
  3. Wie schön! Ein Instrument auch noch selbst zu machen, ist etwas ganz besonderes. Das ist jetzt deine ganz eigene Harfe!

    LG,
    Miri

    PS: Ist eigentlich meine Aufnahme von der Holunderflöte angekommen?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Die Verbindung ist einfach so stark, man merkt das richtig! Darum möchte ich mich ja auch nochmals am Flötenbau versuchen ;)

      Deine Aufnahme ist leider bei mir nicht angekommen...

      Löschen